Samstag, 10. Januar 2015

Je suis Charlie

Am 7. Januar wurden bei einem grausamen Blutbad in Paris 12 Menschen getötet und weitere Personen verletzt. Ziel der Täter war die Redaktion des französischen Satiremagazins Charlie Hebdo. Da das Magazin in den letzten Jahren insbesondere damit auffiel, Mohammedkarikaturen zu veröffentlichen, liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei dem Überfall um einen religiös motivierten Anschlag handelt.  



























Ein geflügeltes Wort besagt, Satire dürfe alles. Aber darf sie auch die Gefühle anderer verletzen? Speziell, wenn es sich, wie wohl in diesem Fall, um religiöse (also emotional recht verwobene und rational kaum erfassbare) Gefühle handelt?
Satire rückt die Wirklichkeit ins Absurde, durch eine Überspitzung der Tatsachen, durch die Konzentration auf einen Punkt in dem Gesamten oder durch die Übertragung von Kleinigkeiten in den großen Gesamtzusammenhang. Wie auch immer sie dabei vorgeht, es geht der Satire um die Konfrontation mit der Wirklichkeit. Sie möchte den Leser (im besten Fall) zum Vergleich mit bestehenden Verhältnissen und vorherrschenden Meinungen und zur Diskussion einladen. Ob sich der Leser mit der Meinung des Satirikers nun anfreunden oder diese nur ablehnen kann, spielt im Grunde genommen keine Rolle. Die Hauptsache ist, dass der Rezipient, durch die Auseinandersetzung mit Satire, mit einer gestärkten (weil überprüften) Meinung zum Dargestellten herausgeht. In diesem Sinne darf Satire nicht nur, sie muss sogar!

Eine sehr kluge Frau hat einmal gesagt, Freiheit wäre auch immer die Freiheit der Andersdenkenden. Auch dieses "Andersdenken" will zur Diskussion anregen - und dabei dem Anderen die Freiheit geben, die Welt auf seine eigene Weise betrachten zu dürfen. Überall wo diese Freiheit, oder dieses "Andersdenken" beschnitten oder bekämpft wird, muss irgendetwas gewaltig schief laufen.

Wer auch immer die Täter sind oder waren, was auch immer sie dazu getrieben hat, diese scheußliche Tat zu begehen, sie wurden wohl durch irgendetwas so ge- oder verblendet, dass ihnen in ihrer inneren Diskussion keine Argumente mehr blieben, um in der Konfrontation mit der Satire ihre eigene Überzeugung aufrechterhalten und überprüfen zu können.

Aber was auch immer ich hier schreibe, es bleibt dabei, zwölf Menschen haben am Mittwoch ihr Leben verloren. Zwölf Andersdenkende, die sich an der Freiheit der Satire bewusst bedient hatten.
Auf die Freiheit! Auf das Andersdenken! Auf diese Zwölf!

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